Leseschwäche

Leben mit Literatur

Seiltanz in die Katastrophe

Tyll kann überall sein, und überall verdeutlicht er die Schrecken der Zeit mit seinem derben Humor. Das ist verstörend, aber erhellend.

Der Dreißigjährige Krieg bleibt ein kollektives Trauma. Wohl jeder, der sich auch nur ansatzweise für Geschichte interessiert, kennt die Bilder der Galgenbäume. Wenn dann noch ein Spaßmacher durch die dunklen Zeiten wandelt, kann das verstörend sein, aber auch erhellend. So wie in Tyll von Daniel Kehlmann.

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Der Mensch ist halt ein eitles Ding

Ich habe die Terranauten gelesen und musste lachen. Und das, obwohl der Roman eigentlich nicht lustig ist.

Ein wirklich hoffnungsfroher Roman ist Die Terranauten von T.C. Boyle nun wirklich nicht. Das muss Satire aber auch nicht sein. Hier geht es vordergründig um das Experiment einer völlig eigenständigen Welt innerhalb der Welt – was natürlich beim ersten Versuch daneben gegangen ist und auch bei der Zweitauflage, um die es in der Haupthandlung geht, nicht wirklich funktioniert. Auch wenn das die „großen Brüder“ anders sehen.

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Jeder lügt sich sein Leben irgendwie zurecht

Maren gibt nicht auf, sie sucht nach dem Leben. Sonderlich talentiert ist sie dabei aber nicht.

Wer sich selbst belügt, kann ein gutes Leben haben. Weil sie oder er gar nicht weiß, dass die Lüge eine Lüge ist. Schwierg wird es nur, wenn besagte Person kein Talent zur Lüge hat. So wie Maren, zunächst 19-jährige Hauptfigur in Die untalentierte Lügnerin von Eva Schmidt. Sie leidet vor allem an der familiären Situation, die sie auch nach dem Auszug zuhause nicht loslässt. Doch was ist passiert?

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Die Trutzburg der Bekloppten

Biedere Bilder auf dem Buchumschlag des neuen Romans von Jörg-Uwe Albig. Zornfried ist eine kluge Nazi-und Mediensatire. Der Text hat mich an eine lange zurückliegende Episode aus meinem eigenen Berufsleben erinnert.

Wenn ein freier Journalist über Nazis berichtet, hat er gute Chancen, zahlungswillige Abnehmer zu finden. Jan Brock weiß das und nutzt die Gelegenheit, sich auf die Spur einer gruseligen Klientel setzen zu lassen: nämlich auf die jener braunen Zeitgenossen, die ihren eigenen Faschismus hinter verschlossenen Türen und tief im deutschen Wald zelebrieren. Zornfried von Jörg-Uwe Albig spielt im Spessart und ist sowohl Nazi- als auch Mediensatire. Der Autor, selbst Redakteur und Korrespondent, hat einen scharfsinnigen Roman geschrieben. Ich habe mich keine Sekunde gelangweilt – und mich sogar an ein Jahre zurückliegendes Kapitel aus meinem eigenen Berufsleben erinnert.

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