Leseschwäche

Leben mit Literatur

Nur noch Staub und Wüste

Wenn dasWasser fehlt, regiert Verzweiflung. Maja Lunde hat einen sehr aktuellen Roman geschrieben.

Ich hätte noch ewig weiterhören können. Aber dann – plötzlich nach acht Stunden und zehn Minuten – war Die Geschichte des Wassers vorbei. Den Text von Maja Lunde haben Christiane Blumhoff und Shenja Lacher abwechselnd gelesen. Sehr atmosphärisch, sehr nahegehend, was sowohl am Buch als auch an den Vorlesern liegt.

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Die Idee eines Gauklers

Tyll hält die Geschichte zusammen. Doch der Namensgeber ist nicht das wichtigste Element des Buchs, das ist der Krieg in all seiner Grasuamkeit. Und der ist überall. Draußen und in den Menschen.

Was sind schon 200 Jahre? Die Idee eines Gauklers kennt keine Zeit. Sie betrachtet die Schrecken des Krieges und der Finsternis. Immer. Es hat diese Schrecken im 14. Jahrhundert gegeben, als Tyll erstmals auftrat, erst recht im Dreißgjährigen Krieg. Daniel Kehlmann hat dazu einen Roman geschrieben, der sich mit der schonungslosen Wahrheit auseinandersetzt.

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Sockel oder doch nicht?

Die Italienische Reise – hier ein Exemplar, das ich mir aus Weimar mitgebracht habe – war ein mutiger Aufbruch. Auch für Goethe.

Herder hockte auf dem Sockel. Ganz klar – für mich war er fast so etwas wie ein Nationalheiliger, wobei hinzukommt, dass eine Schule in meiner Heimatstadt nach ihm benannt wurde. Nachdem ich aber Goethe – Kunstwerk des Lebens von Rüdiger Safranski gehört hatte (mittlerweile schon zweimal), war klar: Auch Johann Gottfried Herder (1744 bis 1803) war nur ein Mensch, und zwar nicht nur ein angenehmer. Er konnte kaum zeigen, dass der wenig Jüngere etwas gut gemacht hatte, konnte nicht loben, hatte diesen Skeptizismus, den ich im Umgang mit Freunden für übertrieben halte, oder für eine unangemessene Prüfung.

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Die zwei Klassen der Zukunft

Die Zeitmaschine: Der Film von 1960 ist Trash, das Buch feinste Literatur.

Auf der Suche nach trashiger Unterhaltung landete ich wieder einmal in der Vergangenheit. Oder in der gedachten Zukunft. Denn diese Zukunft liegt mittlerweile auch schon hinter uns, was in der Verfilmung Die Zeitmaschine von H.G. Wells ziemlich deutlich wird. Auf jeden Fall musste ich nach dem Film von George Pal aus dem Jahr 1960 noch einmal das Buch lesen.

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Das große Summen

In Maja Lundes Bienengeschichte geht es vor allem um Beziehungen. Alles hängt mit allem zusammen. Und wir haben die Verantwortung.

Es gibt dieses eine Zitat, das mich die ganze Lektüre von Die Geschichte der Bienen von Maja Lunde hindurch begleitet hat. Dabei ist gar nicht klar, ob es von Albert Einstein stammt – was in der Konsequenz des Gesagten auch kaum eine Rolle spielt, höchstens die Auffassung verstärken kann, dass der Urheber, der ja das ganze Universum erklärt, einfach recht haben muss: „Wenn die Bienen verschwinden, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben; keine Bienen mehr, keine Pflanzen, keine Tiere, keine Menschen mehr.“

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Die letzten Fragen der Menschheit

Nicht nur das Titelbild ist berauschend, auch Boyles Sprache passt sich wieder beeindruckend dem Thema an: Das Licht von T.C. Boyle ist ein lesenswerter Roman.

Literatur schenkt Erfahrungen. Sie sorgt im besten Fall für einen Rausch. Dann sogar ohne die ungesunden Konsequenzen, die eine substanzielle Einnahme im wirklichen Leben mit sich bringt. Tragisch dabei ist es, dass ausgerechnet diejenigen, die uns diesen fiktiven Rausch ermöglichen, unter der künstlich heraufbeschworenen Bewusstseinserweiterung gelitten haben oder leiden wollten. Edgar Allan Poe und sein Laudanum – in Wein gelöstes Opium – ist ein Beispiel von vielen. Näher liegt manchen vielleicht noch Georg Trakl, der als Apotheker leichten Zugang zu Morphinen hatte. Auch T.C. Boyle kennt sich mit synthetischen Drogen aus, weshalb ein Roman wie Das Licht so unglaublich in die Tiefe geht.

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