Antike Erfahrung

Der Goethe-Klassiker funktioniert noch – mit ein bisschen Übung. Oder man lässt ihn sich einfach von Gert Westphal vorlesen.

Hermann und Dorothea ist für Johann Wolfgang Goethe 1797 der dringend notwendige Erfolg. Wilhelm Meister empfanden manche als langweilig (Charlotte Stein zum Beispiel), außerdem will der Geheimrat das Geld mehren – obwohl er als Beamter schon über ein gutes Einkommen verfügt. Vielleicht hat Goethe aber schon das Landgut Oberroßla im Blick, auf dem er mit Christiane Vulpius leben will – durchaus möglich. Seinem Verleger Vieweg reicht er einen Umschlag, in dem die leicht ungehörige Honorarfordung von tausend Talern in Gold steckt. Und der greift tatsächlich zu – und der Versgesang wird das bis dato populärste Stück Goethes nach Die Leiden des jungen Werther.

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Die Chiffre der Wendezeit

Wie kann ein aufrechter Büchermensch zum Nazi werden? Diese Frage beschftigt Ingo Schulze in seinem neuen Roman, der auch als Hörbuch empfehlenswert ist.

Auf einen solchen Roman habe ich lange gewartet: Die rechtschaffenen Mörder von Ingo Schulze ist die Chiffre der Wendezeit. Gehört hatte ich den neuen Schulze bei „Am Morgen vorgelesen“ im NDR, die Lesung von Sylvester Groth und Victoria Trauttmannsdorf habe ich mir dann noch einmal „in Ruhe“ gegönnt. Klasse.

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Nur noch Staub und Wüste

Wenn das Wasser fehlt, regiert Verzweiflung. Maja Lunde hat einen sehr aktuellen Roman geschrieben.

Ich hätte noch ewig weiterhören können. Aber dann – plötzlich nach acht Stunden und zehn Minuten – war Die Geschichte des Wassers vorbei. Den Text von Maja Lunde haben Christiane Blumhoff und Shenja Lacher abwechselnd gelesen. Sehr atmosphärisch, sehr nahegehend, was sowohl am Buch als auch an den Vorlesern liegt.

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Sockel oder doch nicht?

Frank Arnold macht das neue Goethe-Buch von Safranski auch in der Hör-Ausgabe zum Genuss. Unbedingte Empfehlung!

Herder hockte auf dem Sockel. Ganz klar – für mich war er fast so etwas wie ein Nationalheiliger, wobei hinzukommt, dass eine Schule in meiner Heimatstadt nach ihm benannt wurde. Nachdem ich aber Goethe – Kunstwerk des Lebens von Rüdiger Safranski gehört hatte (mittlerweile schon zweimal), war klar: Auch Johann Gottfried Herder (1744 bis 1803) war nur ein Mensch, und zwar nicht nur ein angenehmer. Er konnte kaum zeigen, dass der wenig Jüngere etwas gut gemacht hatte, konnte nicht loben, hatte diesen Skeptizismus, den ich im Umgang mit Freunden für übertrieben halte, oder für eine unangemessene Prüfung.

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