Journalisten sollen sich mit einer Sache nicht gemein machen, erst recht nicht mit einer schlechten Sache. Insofern darf das Zitat von Hans Joachim Friedrichs gern abgewandelt werden.

Journalisten suchen die Nähe ihrer Klientel, um möglichst hautnah berichten zu können. Dass darin eine Gefahr liegt, ist die Botschaft in Zornfried von Jörg-Uwe Albig. Der Roman spielt im Spessart und ist sowohl Nazi- als auch Mediensatire. Reporter Jan Brock trifft auf Altnazis, Möchtegern-Nazis und solche, die erst noch richtige Nazis werden wollen: junge Sturmtruppen, die „SS“ spielen. Sein eigentliches Etappenziel ist eine Geschichte über Storm Linné, der sich als völkischer Dichter feiern lässt und eine fürchterlich schwülstige Lyrik absetzt. Besonders amüsant wird es, wenn Albig drei Frauen beschreibt, die in Spitzenborten an den Kleidern am Kamin stehen. „Was erwarten Sie von diesem Abend“, fragt Brock und bekommt Antwort von der „Schwarzgoldenen“: Ob er den Meister denn überhaupt schon einmal gehört habe? Denn nur dann erfahre man das Leben.

Die in Zornfried entlarvten Welt-Konstrukte kommen dermaßen unwirklich daher, dass die Leser die reale Existenz dieser Menschen am liebsten anzweifeln würden. Das funktioniert natürlich nicht – die Rechten auch dieser Coleurs sind allzu real. Was Albig beschreibt, ist natürlich ein abgekartetes Spiel: die Nazis hoffen in unermesslich erscheinender Naivität, dass sich Brock – wie schon die junge Kollegin, die eifrig mittaumelt – brav auf Linie bringen lässt, kurzum, dass er „vom Schreiber zum Mann“ wird. Brock erfährt bei seiner Recherche, dass hier alles alt ist: die Bücher, deren Alter wichtiger als der Inhalt ist, und erst recht der Burgherr selbst, der „wie der Insasse eines Altersheims“ aussieht, der von seinem kaum älteren Sekretär Matzek mitgeteilt bekommt, dass es Zeit ist, jetzt ins Bett zu gehen.

Ich habe mir immer wieder und bis heute die Frage gestellt, ob und wie man über rechte Kreise schreiben soll, zumal die – wie bei Zornfried – davon profitieren wollen. Künstler Krathmann macht es im Roman deutlich und bezieht sich auf einen Beitrag von Brock: „Wenn ihr gegen etwas geifert“, sagte er und blinzelte wieder, dann weiß man, „dass die Sache sich lohnt.“ Für Jan Brock gibt es bei Linnés tatsächlichem Auftritt dann Ernüchterung, vielleicht sogar Enttäuschung: „Da saß ein Kind mit riesigem Kopf …“ Der Held, der das Leben beschreibt, geht höchstens als Witzfigur durch. Muss man über die noch schreiben?

Jörg-Uwe Albig, Zornfried, erschienen bei Klett-Cotta, 2019