Maren gibt nicht auf, sie sucht nach dem Leben. Sonderlich talentiert ist sie dabei aber nicht.

Wer sich selbst belügt, kann ein gutes Leben haben. Weil sie oder er gar nicht weiß, dass die Lüge eine Lüge ist. Schwierg wird es nur, wenn besagte Person kein Talent zur Lüge hat. So wie Maren, zunächst 19-jährige Hauptfigur in Die untalentierte Lügnerin von Eva Schmidt. Sie leidet vor allem an der familiären Situation, die sie auch nach dem Auszug zuhause nicht loslässt. Doch was ist passiert?

Wenn schon Lüge, dann bitte professionell. Maren will Schauspielerin werden, was aber nicht funktioniert und ein erster Hinweis darauf ist, dass Lüge eben nicht ihr Metier ist. Anders die Mutter, die als Künstlerin arbeitet und mit Marens Stiefvater eine Art Zweckgemeinschaft bildet. Dass Maren nach Jahren in dieses Zuhause zurückkehrt, erweist sich als fataler Fehler, auch wenn Stiefvater Robert auflebt. Der spendiert ihr in weltmännischer Manier – als stinkreicher Unternehmer – schon bald eine Wohnung und sucht verdächtig oft Marens Nähe. Nun ja, mit der Mutter ist nicht gut Kirschen essen.

Maren arbeitet mittlerweile im Museum und hat sich aufs Beobachten spezialisiert. Auch wenn sie oberflächliche Beziehungen zu Männern hat: zu Max, dem gescheiterten DJ, zu Alex, dem schwulen und ziemlich erfolglosen Schauspieler und zuletzt – was ein wenig mehr Tiefe hat – zum Fotografen Thomas, für den sie auch ihren Job im Museum aufgibt.

Eine glückliche Frau wird Maren nicht – und genau das scheint sie zu wissen: Nein, sie wird wohl nicht dauerhaft ausbrechen wie ihre Brüder oder wie endlich auch Robert, der eine neue Beziehung eingeht. Und sie fantasiert sich in eine eigene Geschichte, erfindet Ellen, die nach Finnland verschwindet, was ihr aber auch nicht hilft.

Eva Schmidt hat einen – oberflächlich gesehen – sehr tristen Roman geschrieben. Richtig glücklich macht die Lektüre nicht, die Sprache ist schlicht, reportagehaft oft, manchmal kalt. Lohnenswert ist sie aber, weil der Text so schonungslos ist. Das wahre Leben ist für Maren ein krankes Sein, aus dem sie nicht herauskommt. Erträglich wäre es durch die Lüge, für die sie kein Talent hat. Auch wenn sie es immer wieder versucht. Jeder lügt sich sein Leben irgendwie zurecht. Und die Lüge arbeitet Hand in Hand mit der Gnade der Erinnerung.

Eva Schmidt, Die untalentierte Lügnerin, Jung und Jung, Salzburg und Wien 2019