Leben mit Literatur

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Der bessere Tokajer

Raus aus dem Schlamassel. Keine Sorge, das ist nicht die einzige Geschichte. Es gibt ja so viele. Kästner erzählt sie (fast) alle.

Nach einem Besuch in Bodenwerder war klar: Ich muss mich nochmal um den Lügenbaron kümmern. Im örtlichen Münchhausen-Museum erwarb ich die wunderbare Ausgabe von Erich Kästner (1899 bis 1974), der Münchhausen für kleine und große Leute aufbereitet hat. Die Geschichten wirken noch immer frisch und witzig – ich habe sie an einem Abend gelesen. Der Züricher Atrium-Verlag hatte wenig an den bekannten Aufmachungen mit den wunderbaren Zeichnungen von Walter Trier (1890 bis 1951) geändert. Die Neuausgabe von Münchhausen erschien 2020, die Erstausgabe 1951.

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Ein eiskaltes Buch

Beim zweiten Wallander ist alles kalt …

Henning Mankell kann mit wenigen Worten eine Atmosphäre schaffen, die Lesende frieren lässt. Bei Hunde von Riga ist das so. Das Meer, in dem der Fischkutter mit seiner dubiosen Besatzung dümpelt, ist kalt. Die Typen in diesem Roman sind kalt. Und nur wenig Wärme strahlt die Frau aus, in die sich Ermittler Kurt Wallander in diesem zweiten Teil der Reihe verliebt: Baipa Liepa.

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Auf dem Hügel

Eines der speziellen Literaturthemen ist die Übersetzung von Lyrik. Die Diskussion, die etwa beim Deutschlandfunk dokumentiert wurde, ob weiße Menschen die Texte von schwarzen Menschen übersetzen dürfen, ist reichlich dumm. Wer meint, einen Text in eine andere Sprache übertragen zu müssen, sollte sich keinesfalls davon abhalten lassen: Übersetzungen weiten bekanntlich die Welt. Und das gilt auch für Amanda Gormans The Hill we climb.

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Langsame Bilder

Die Bilder haben eine schier unglaubliche Tiefe, die in ihrer scheinbaren Dreidimensionalität faszinierend ist und die Betrachter mit einer Atmosphäre einfängt, die an Kino erinnert.

Dass ich ein Faible für antiquarische Bücher habe, haben diejenigen, die hier ab und zu mitlesen, vielleicht schon bemerkt. In diesem Beitrag geht es um einen Bildband, der wohl in den meisten Fällen nur noch in Antiquariaten erhältlich ist. Mir bedeutet Das Buch der Jahreszeiten, herausgegeben 1927 von Herbert Dubler, dennoch sehr viel. Es zeigt nämlich, wie sich unsere Sicht auf Bilder und die Fotokunst selbst verändert hat. Nun ist das keine bahnbrechende Erkenntnis, aber als Feststellung immer mal wieder interessant.

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Rückkehr nach Ystad

Plötzlich brennt ein Asylbewerberheim. Was passiert hier? In Ystad gerät die Welt aus den Fugen.

Ich war beim Blick auf das Bücherregal neugierig geworden: Funktioniert der Krimi nach 19 Jahren noch? Kann ich mich wieder in Wallander vertiefen? Bin ich wieder ganz drin in der Welt in und um Ystad? Und ich kann sagen: Dreimal ja. Henning Mankell funktioniert noch immer, vielleicht schon ein bisschen mehr als historischer Krimi, als Geschichte ohne Smartphone und modernste Polizeimethoden. Bei Mörder ohne Gesicht sind die Reaktionen auf einen stärker aufflammenden Rechtsextremismus wichtig, den Mankell hier mit „Ausländern“ in Verbindung bringt und einer brennenden Asylbewerberunterkunft. Und mit der staatlichen und bei manchen Menschen ausgeprägten Unfähigkeit, mit dem Anderssein fertig zu werden. Auch der Ermittler hat da so seine Probleme.

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