Langsame Bilder

Dass ich ein Faible für antiquarische Bücher habe, haben diejenigen, die hier ab und zu mitlesen, vielleicht schon bemerkt. In diesem Beitrag geht es um einen Bildband, der wohl in den meisten Fällen nur noch in Antiquariaten erhältlich ist. Mir bedeutet Das Buch der Jahreszeiten, herausgegeben 1927 von Herbert Dubler, dennoch sehr viel. Es zeigt nämlich, wie sich unsere Sicht auf Bilder und die Fotokunst selbst verändert hat. Nun ist das keine bahnbrechende Erkenntnis, aber als Feststellung immer mal wieder interessant.

Die Bilder haben eine schier unglaubliche Tiefe, die in ihrer scheinbaren Dreidimensionalität faszinierend ist und die Betrachter mit einer Atmosphäre einfängt, die an Kino erinnert.

Wer heute fotografiert, ist in den wenigsten Fällen ein Künstler, sondern einer, der massenweise Motive klickt. Kunst werden die Bilder meines Erachtens erst dann, wenn das fertige Bild eine tiefergehende Aussage über den Schnappschuss hinausgehend hat, in aller Regel technisch gut ausgeführt ist und über den Tag hinaus Wertigkeit hat. Mit der Digitalisierung der vergangenen Jahrzehnte ist eine Abgrenzung schwieriger geworden, die oft billige Bilderflut macht es nahezu unmöglich, die Perlen zwischen all dem Mist aufzufinden. Wer den Blick dafür hat, sieht allerdings das Funkeln.

Ich mache mir einen großen Spaß daraus, alte Bildbände anzuschauen, Bildbände aus einer Zeit, als Fotos per se noch einen ganz anderen Stellenwert hatten, mit viel Aufwand herzustellen waren und überhaupt nicht beliebig. Das Buch der Jahreszeiten, im Verlag Josef Müller erschienen, ist eines meiner Lieblingsbeispiele. Es ist als Gesamtkunstwerk im Tiefdruck und Offsetverfahren der eigenen Werkstätten des Verlags hergestellt. Die Bilder haben auch nach bald hundert Jahren eine schier unglaubliche Tiefe, die in ihrer scheinbaren Dreidimensionalität faszinierend ist und die Betrachter mit einer Atmosphäre einfängt, die an Kino erinnert. Alles um das Buch herum wird dunkel. Fotografien unter anderem von Steiner, Gaberell, Rupp, Kainz und Zeits zeigen Aufnahmen aus dem Alpenraum: Berge, Schnee und Eis, Blumenwiesen, Wasser, Menschen, vor der Natur meist klein wirkend, Kinder auch. Einmal, am Ende des Frühlings, eine Frau mit Sonnenschirm auf einer Mauer sitzend, beschattet, nach rechts aus dem Bild blickend. Sie ist auch das Motiv auf dem Schutzumschlag geworden, den ich leider nicht mehr habe.

Das Buch lässt im wahrsten Sinne Bilder sprechen, hat sch mit der Natur und den Jahreszeiten eines der künstlerischen Urthemen vorgenommen. Es hat folglich nur wenig Text, ein paar (aus heutiger Sicht) heroisch klingende Worte von Joseph Bernart (1881 bis 1969), der vom Wahren der Natur spricht, gegen die der Mensch eigentlich nichts vorzubringen hat.

Denn wenn er auch erkennt, dass sie weder gut noch gerecht, ja, tief im Innersten mit dem Grauen der Meduse behaftet ist, und wenn er in dem einen Stück sie schöner findet als in dem andern, so ist sie doch mit ihrem Gesetz und Geheimnis so in sich verschlossen, dass ein Gefallen oder Missfallen unseres Auges nur die kleine menschliche Angelegenheit ist vor der großen, dass jene Notwendigkeit unverbrüchlich ist und wir Klugen, auch wenn wir scheinbar die Herren über sie werden, ihr doch immer verhaftet und pflichtig bleiben.

Selbst die Fotografen müssen hinter die alles beherrschende Natur zurücktreten, leider werden nur ihre Nachnamen genannt. Die Motive wirken technisch teilweise zwar so, als habe sie ein Analog-Fotograf gestern aufgenommen, dass sich die Welt (und die Natur) seit 1927 aber verändert hat, ist eine Anklage, die ich als heutiger Leser rezipiere und die auch traurig stimmen kann. Früher war nicht alles besser, manches aber dann doch.

Ich selbst habe das Buch übrigens vor über 20 Jahren aus dem Nachlass eines Büchersammlers bekommen. Die Fotos haben mich über all die Jahre immer wieder beeindruckt, eignen sich immer wieder als Kulisse für Bergliteratur, wunderbar etwa für Ulrich Bräkers Der arme Mann im Tockenburg oder gerade erst Ein ganzes Leben von Robert Seethaler. Der Bildband wird bleiben.

Das Buch der Jahreszeiten, herausgegeben von Dr. Herbert Dubler, erschienen 1927 im Verlag Josef Müller. Ich habe mal in verschiedenen Antiquariaten gestöbert und auch für Erstausgaben einen Preis von etwa 20 Euro ausgemacht.

Die zwei Klassen der Zukunft

Auf der Suche nach trashiger Unterhaltung landete ich wieder einmal in der Vergangenheit. Oder in der gedachten Zukunft. Denn diese Zukunft liegt mittlerweile auch schon hinter uns, was in der Verfilmung Die Zeitmaschine von H.G. Wells ziemlich deutlich wird. Auf jeden Fall musste ich nach dem Film von George Pal aus dem Jahr 1960 noch einmal das Buch lesen.

Eine Verfilmung mit extremer Nähe an der Vorlage hätte anders ausgesehen. Natürlich konnte H.G. Wells nichts von den Kriegen wissen, nichts vom Atomwahn der Nachkriegszeit, auch wenn die Zukunft Ende des 19. Jahrhunderts nicht nur Gutes verhieß, erst recht nicht im Wellschen Denken. Schließlich lässt er seinen Erzähler von der „Menschheit im Niedergang“ sinnieren, lässt ihn grübeln über Kommunismus und eine Situation „vollkommener Zufriedenheit und Sicherheit, die die uns eigene rastlose Energie in Schwäche verwandelt.“ Wenig später heißt es: „Selbst in unserer Zeit sind schon gewisse Neigungen und Wünsche, die einmal für das Überleben notwendig waren, eine permanente Quelle des Versagens.“ Wagemut und Kampfeslust, so klingt es im Buch von 1895 etwas martialisch, seien nicht unbedingt Vorzüge, sondern „unter Umständen auch Nachteile in den Augen eines zivilisierten Menschen.“

Ein solch zivilsierter Mensch ist natürlich die Hauptfigur, die „der Bequemlichkeit halber“ nur der Zeitreisende genannt wird: ein Wissenschaftler mit Visionen, der sich in seiner gemütlichen Gelehrtenrunde, die ausschließlich aus alten Männern besteht, über die Geometrie der vierten Dimension auslässt. Natürlich glauben ihm die verdienten Herren nicht – bis auf den besagten Ich-Erzähler, der die Geschichte wiedergibt. Sie glauben nicht, dass er durch die Zeit reisen kann, auch nicht, als er die seit zwei Jahren gebaute „wunderbare Maschine“ präsentiert. Doch er ist der „Mutige“, der seine Angst überwinden muss, aus der den Herren lieben Sicherheit ihrer Zeit zu entfliehen.

Und die dem Menschen untertänige Technik schafft es: Er berichtet vom Kampf mit den Morlocken, die im Film wie mutierte Kinskis aussehen, die unter der Erde leben und die „Überirdischen“ wie Sklaven halten und sie auf Altären opfern.

All das klingt nach Jonathan Swift und nach der zweiklassigen Gesellschaft, wie sie Wells erlebt hat. Doch seine dunkle Vision geht noch viel weiter, wenn er aus dem Jahr 802 701 berichtet. „Ich glaube“, lässt Wells den Zeitreisenden erzählen, „ich habe schon erwähnt, um wieviel heißer das Klima dieses Goldenen Zeitalters war als unseres. Ich weiß nicht warum.“

Seine Erklärung findet er in den Theorien des jungen Darwin, nach denen die Planeten schließlich in das Zentralgestirn zurückfallen müssen. Also: es gibt ein Welt-Ende. Aber ob Wells wusste, dass er mit der Klimaerwärmung so nah dran ist am Heute? Er würde mit Sicherheit den Menschen als Verursacher ausgemacht haben.

Bei allem hilft aber auch dem Zeitreisenden nur die Liebe, hier als Weena, ein „puppenhaftes Geschöpf“, das ihm das Gefühl gibt, nach Hause zu kommen. Vielleicht ist sie es auch (und damit die Liebe), die den Zeitreisenden wieder verschwinden lässt, in ihre Zeit, in alle Zeiten. Dieser Aspekt gefiel George Pal, ist bei Wells aber beileibe nicht die Hauptgeschichte. Kurzum: Der Film von 1960 ist tatsächlich Trash, die Geschichte von H.G. Wells feinste Literatur. Ich empfehle beides: das Buch, um in die Gesellschaftskritik des 19. Jahrhunderts einzutauchen, den Film, um die aus heutiger Sicht naive Umsetzung der Geschichte und die (wie ich finde) tollen schauspielerischen Leistungen von Rod Taylor (1930 bis 2015) und Yvette Mimieux (geboren 1942) zu genießen.

H. G. Wells, Die Zeitmaschine, aus dem Englischen von Annie Reney und Alexandra Auer, erschienen 1996 bei dtv. Die Originalausgabe stammt aus dem Jahr 1895.

Die letzten Fragen der Menschheit

Literatur schenkt Erfahrungen. Sie sorgt im besten Fall für einen Rausch. Dann sogar ohne die ungesunden Konsequenzen, die eine substanzielle Einnahme im wirklichen Leben mit sich bringt. Tragisch dabei ist es, dass ausgerechnet diejenigen, die uns diesen fiktiven Rausch ermöglichen, unter der künstlich heraufbeschworenen Bewusstseinserweiterung gelitten haben oder leiden wollten. Edgar Allan Poe und sein Laudanum – in Wein gelöstes Opium – ist ein Beispiel von vielen. Näher liegt manchen vielleicht noch Georg Trakl, der als Apotheker leichten Zugang zu Morphinen hatte. Auch T.C. Boyle kennt sich mit synthetischen Drogen aus, weshalb ein Roman wie Das Licht so unglaublich in die Tiefe geht.

„Turn on, tune in, drop out“ war die Formel, die der amerikanische Psychologe Timothy Leary heraufbeschworen hatte. Er war der LSD-Guru der sechziger Jahre, beeinflusste die Pop-Kultur und die Beatles, ließ John Lennon „Come Togehter“ schreiben und war beim Bed-In für „Give Peace a Chance“ höchstpersönlich dabei. Koks für Kultur – das klang zwar nicht stubenrein, aber ziemlich aufsässig. Und zwar aufsässig genug, dass es sich mit der Wissenschaft biss. Aber genau das wollte Leary: Wissen schaffen. Grundlage seiner Lehre war die Entdeckung von LSD (dessen Vorgeschichte um den Schweizer Chemiker Albert Hoffmann in Das Licht brillant erzählt wird), aber auch seine charismatische Erscheinung. Die spielt im Roman eine tragende Rolle, erzählt wird allerdings aus der Perspektive seiner Jünger, die selbst nach und nach den Bezug zum „Leben da draußen“ verlieren.

Hauptfigur ist ein zunächst eher langweilig wirkender Doktorand namens Fitzhugh Loney, Ehemann von Joanie Loney, Vater von Corey. Um das Leben zu finanzieren, will Fitz, wie er kurz genannt wird, möglichst schnell seine Promotion verfassen, eher halbherzig im Fach Psychologie. Dabei „wollte er sich keine Gedanken wegen Alkohol oder dieser neuen Wunderdroge oder irgendetwas anderes machen müssen, das gefährden könnte, was jetzt wichtiger war als alles andere: den Abschluss, den Job, das Haus, ein besseres Leben für Joanie und Corey.“ Dass Leary dann wie eine – so schreibt es Boyle – „Inkarnation“ erscheint (und dann noch „von oben“ aus der oberen Etage hervortritt, wo er „Vorbereitungen getroffen hatte“), verändert alles. Wobei der Erkenntnisgewinn schon bei den ersten Selbstversuchen die Legitimation ist. Fitz „nahm die Tabletten in Zweierportionen, spülte sie mit kleinen Schlucken aus dem Wasserglas hinunter und sagte sich dabei, er brauche sich keine Sorgen zu machen, schließlich gehe es ja um Forschung.“ Und ein paar Versuche später liest Fitz auf der Verpackung: „Nur zu Forschungszwecken.“ Dazu passt für Leary dann auch die monotone indische Musik bei gedämpftem Licht.

Und dann „begann die Droge zu wirken und rollte und rollte durch ihn hindurch wie sich übereinandertürmende Wellen an einem endlosen Strand. Joanie war da und zugleich nicht da, eingetaucht in ihre eigene Welt.“ Dass Leary sich bei seinen Wissenschaftler-Kollegen in Cambridge längst um den guten Ruf gebracht hatte, schweißt die Jünger nur noch näher zusammen. Die Gruppe verlässt als „bunte Karawane“ den Campus, lebt und liebt und forscht als Kommune weiter in Mexiko, dann ab 1964 in Millbrook. Längst kreist alles um die Droge, Fitzens Promotion wird immer unwichtiger, die „Bilder werden zu Geistern von Bildern“ und die junge Lori fragt ihn, mit dem sie längst in wilden Sex-Orgien verkehrt hatte, die alles entscheidende Frage: „Hast du Gott gesehen?“

Und so halte ich Das Licht für einen religiösen Roman, einen Roman, der die Urfragen der Menschheit stellt (Gibt es Gott? Und wenn ja, wie sieht dieser Gott aus?), insofern auch Learys Handeln (dessen Wahnsinn und den seiner Jünger sich immer mehr und ins Bizarre steigert) im Nachhinein wieder als wissenschaftlich proklamiert wird: eben nachvollziehbar im Sinne von Erkenntnis- und Erfahrungserweiterung. Und sie kommen dabei an die Grenzen von Wissenschaft und Religion, was auch im Roman nicht aufgelöst werden kann. „Ich habe nur das Gefühl, dass ich ganz nahe dran bin. Beim letzten, nein, beim vorletzten Mal habe ich am Ende das Weiße Licht gesehen, ich meine das Erste Licht. Es war, als wären alle Farben und Dimensionen verschwunden – da war nur noch dieses Licht.“ Leary macht es dann noch einmal deutlich: „Ich will Gott sehen.“ Und der Schriftzug „Gift“ auf dem LSD-Fläschchen verkommt „als idiotische Warnung: als Gift des Bewusstseins, des Nichtgöttlichen, des Nichtwissens.“ Leben und lieben kann man auch ohne.

Das Licht von T.C. Boyle, übersetzt von Dirk van Gunsteren, ist 2019 bei Hanser erschienen.

Haus der Bösen

Zuweilen kommt das Böse banal daher. „Eine Besprechung mit anschließendem Frühstück“ war in der ersten Einladung angekündigt. Dann wurde es die „Wannseekonferenz“, die  die bereits begonnene „Entfernung der Juden“ auf perfide Weise legitimieren sollte. Peter Longerich zeigt in seinem Buch Wannseekonferenz, Der Weg zur „Endlösung“ die Hintergründe zu der am Wannsee geplanten  „Endlösung“.  Und er zeigt, dass die Wirklichkeit schlimmer ist als jede Romanhandlung.

Longerich lehrt an der Bundeswehr-Universität in München und zählt laut Klappentext zu den „renommiertesten Experten für die Geschichte des Nationalsozialismus.“ Und wirklich beschreibt er – neben der Vorgeschichte  – den Konferenzverlauf an jenem 20. Januar 1942 sehr detailtreu, oder besser: so detailtreu wie möglich.  Als Hauptquelle gibt es zwar ein Besprechungsprotokoll, das damals wohl in 30-facher Ausführung angefertigt wurde, von dem aber nur noch eine  (Nummer 16) zur Verfügung steht. Verfasst hatte es Adolf Eichmann, als  „Leiter des für die Organisation der Vertreibung und Deportation der Juden“ einer der schlimmsten Nazi-Verbrecher überhaupt. Und: Laut Eichmann habe Reinhard Heydrich, Chef des Reichssicherheitshauptamtes,  das von ihm verfasste Protokoll stark redigiert, was sich im Einzelnen jedoch nicht mehr nachvollziehen lasse, wie Longerich schreibt. Er „hangelt“ sich dennoch  durch die 15 Seiten, analysiert, interpretiert, schlussfolgert. Grundsätzlich aber solle man das Protokoll nicht als unmittelbare  Wiedergabe der Besprechung lesen, sondern als ein Dokument, das den wesentlichen Verlauf der Konferenz aus Sicht des Reichssicherheitshauptamtes darstellt. Und das ist – wie ich finde – schon beklemmend genug.

Heydrich hatte in der Sitzung noch immer den Plan einer großen Deportationslösung mit dem Ziel der besetzten sowjetischen Gebiete vorgetragen, den er seit dem Frühjahr 1941 entwickelte und der im Wesentlichen erst nach Kriegsende zu verwirklichen gewesen wäre; der Plan sollte, wie er ausgeführt hatte, aufgrund einer von ihm ausgearbeiteten Vorlage  nach Abstimmung mit den „Zentralinstanzen“ in Gang gesetzt werden. Hinausgelaufen wäre er darauf, elf Millionen europäische Juden an die Peripherie des neuen deutschen Imperiums zu deportieren und sie durch eine Mischung aus erschöpfender Zwangsarbeit, katastrophalen Lebensbedingungen in Lagern und direkten Mordaktionen (bei gleichzeitiger Behinderung von Geburten) in einem wohl noch nicht bestimmten Zeitraum physisch auszulöschen.

Besonders erhellend finde ich bei  der Darstellung des Teilnehmerkreises die wiedergegeben Reaktionen nach dem Krieg. Wenn die 15 „Spitzenbeamten“ nicht verstorben waren, konnten sie sich nicht wirklich erinnern oder verleugneten die Teilnahme. Staatssekretär Neumann, so schreibt Longerich, hätte nach eigenem Bekunden betont, er habe „dienstlich damit nichts zu tun“, Staatssekretär Stuckard habe geäußert: „Ich habe da nicht teilgenommen … Ich weiß das heute nicht mehr mit Sicherheit.“ Lediglich der Jurist Friedrich Kritzinger (1890 bis 1947) habe sich nach 1945 freimütig an den Inhalt der Besprechung erinnert und Reue gezeigt.

Karriere  machte gar Dr. Georg Leibbrandt, der es bis zum Berater Konrad Adenaures brachte. Leibbrandts Thema:  die Rückführung deutscher Kriegsgefangener aus der Sowjetunion. Dass er 1966 das Bundesverdienstkreuz bekam, wirft ein schales Licht auf diese Auszeichnung.  Georg Leibbrandt starb 1982 in Bonn.

Mich hat die Lektüre des Longerich-Buchs dazu veranlasst, den Stoff doch noch einmal von der fiktionalen Seite anzugehen, wenn diese Einstufung überhaupt sinnvoll ist. Ich habe mir den (wie ich finde) hervorragend besetzten und gespielten Film „Die Wannseekonferenz“ von 1984 angesehen, eine Art Kammerspiel des Schreckens. Hier kommt zusätzlich zum reinen Protokoll die Atmosphäre, wie sie gewesen sein könnte und meines Erachtens auch war, gut rüber. Der Weg zur „Endlösung“ wird von ständigem Gelächter, Herrenwitz und einer Überheblichkeit begleitet, die Zuschauer schaudern lässt. Und auch das Fazit, das Longerich zieht, wird deutlich: die „Endlösung“ wird von da an in den Dienst der Kriegsführung gestellt. Jetzt ist alles erlaubt.

Peter Longerich, Wannseekonferenz, Der Weg zur „Endlösung“, Pantheon-Verlag, München 2016


Empfehlenswert ist die Seite www.ghwk.de. Die Gedenkstätte Haus der Wannseekonferenz stellt sich vor. Abrufbar ist per PDF auch das komplette Protokoll. Ein Zeugnis des Schreckens. Weiter gibt es Einzelheiten über die Teilnehmer der Konferenz am  20. Januar 1942.