Sockel oder doch nicht?

Frank Arnold macht das neue Goethe-Buch von Safranski auch in der Hör-Ausgabe zum Genuss. Unbedingte Empfehlung!

Herder hockte auf dem Sockel. Ganz klar – für mich war er fast so etwas wie ein Nationalheiliger, wobei hinzukommt, dass eine Schule in meiner Heimatstadt nach ihm benannt wurde. Nachdem ich aber Goethe – Kunstwerk des Lebens von Rüdiger Safranski gehört und gelesen hatte, war klar: Auch Johann Gottfried Herder (1744 bis 1803) war nur ein Mensch, und zwar nicht nur ein angenehmer. Er konnte kaum zeigen, dass der wenig Jüngere etwas gut gemacht hatte, konnte nicht loben, hatte diesen Skeptizismus, den ich im Umgang mit Freunden für übertrieben halte, oder für eine unangemessene Prüfung.

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Die zwei Klassen der Zukunft

Die Zeitmaschine: Der Film von 1960 ist Trash, das Buch feinste Literatur.

Auf der Suche nach trashiger Unterhaltung landete ich wieder einmal in der Vergangenheit. Oder in der gedachten Zukunft. Denn diese Zukunft liegt mittlerweile auch schon hinter uns, was in der Verfilmung Die Zeitmaschine von H.G. Wells ziemlich deutlich wird. Auf jeden Fall musste ich nach dem Film von George Pal aus dem Jahr 1960 noch einmal das Buch lesen.

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Das große Summen

In Maja Lundes Bienengeschichte geht es vor allem um Beziehungen. Alles hängt mit allem zusammen. Und wir haben die Verantwortung.

Es gibt dieses eine Zitat, das mich die ganze Lektüre von Die Geschichte der Bienen von Maja Lunde hindurch begleitet hat. Dabei ist gar nicht klar, ob es von Albert Einstein stammt – was in der Konsequenz des Gesagten auch kaum eine Rolle spielt, höchstens die Auffassung verstärken kann, dass der Urheber, der ja das ganze Universum erklärt, einfach recht haben muss: „Wenn die Bienen verschwinden, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben; keine Bienen mehr, keine Pflanzen, keine Tiere, keine Menschen mehr.“

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Die letzten Fragen der Menschheit

Nicht nur das Titelbild ist berauschend, auch Boyles Sprache passt sich wieder beeindruckend dem Thema an: Das Licht von T.C. Boyle ist ein lesenswerter Roman.

Literatur schenkt Erfahrungen. Sie sorgt im besten Fall für einen Rausch. Dann sogar ohne die ungesunden Konsequenzen, die eine substanzielle Einnahme im wirklichen Leben mit sich bringt. Tragisch dabei ist es, dass ausgerechnet diejenigen, die uns diesen fiktiven Rausch ermöglichen, unter der künstlich heraufbeschworenen Bewusstseinserweiterung gelitten haben oder leiden wollten. Edgar Allan Poe und sein Laudanum – in Wein gelöstes Opium – ist ein Beispiel von vielen. Näher liegt manchen vielleicht noch Georg Trakl, der als Apotheker leichten Zugang zu Morphinen hatte. Auch T.C. Boyle kennt sich mit synthetischen Drogen aus, weshalb ein Roman wie Das Licht so unglaublich in die Tiefe geht.

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Aufbruch wohin?

Wie viel Lüge hält ein Leben aus?

Interessant wird ein Leben ja erst dann, wenn es die gerade Bahn verlässt und die erwarteten Muster. Oder, wie es Eva Schmidt in Die untalentierte Lügnerin vermittelt, gar nicht erst in diese Muster passen will. Dass es Konflikte gibt (nicht nur mit sich selbst), ist logisch, hier insbesondere mit der Mutter und ihren durchaus überkommenen und verlogenen Wertvortsellungen.

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Kampf um Bohnen

Alle verfolgen irgendeinen Zweck oder gerade ihren Widerpart. Dass es um Kaffee geht, ist die Schere zum Jetzt.

Wer braucht schon Internet, wenn man Beziehungen hat? Wenn du weißt, wen du fragen musst, oder besser:  Wenn du weißt, wen du wo fragen musst? Die Geschichte, um die es hier geht, beginnt im Kaffeehaus und spielt in der jungen Neuzeit, Web Punkt minus ultimo oder so.

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Schöner Schein

Der Roman ist gut, weil er Typen zeichnet und Verhaltensmuster – jene der Serenissima im Besonderen, aber auch außerhalb der Romanwelt.

Geschichten gefallen mir dann besonders gut, wenn sie eigene Vorurteile aufdecken. Wenn Leser in den Spiegel gucken und eine Fratze sehen. Das ist dann ein schöner Schauer – und erträglich, weil man als eben dieser Leser ja in einer abgeschlossenen Welt lebt. Donna Leon schafft die Spiegelschau in ihrem achtzehnten Fall mit Commissario Guido Brunetti in raffinierter Weise. Denn in Schöner Schein dauert es, bis der Blick klar wird.

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Ganz nach oben

Die Welt von oben sehen. Das war schon immer ein Menschheitstraum. Maiken Nielsen beschreibt ihn aus der persönlichen Perspektive.

Endlich mal wieder einen richtigen Roman lesen – also: keine Dystopie, kein Verschieben irgendwelcher Ebenen, nein, einen richtigen Roman. Ja, ich weiß, das klingt vermessen.

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Arrogante Härte

Jaennickes schöne Schludrigkeit unterstreicht die Atmosphäre zusätzlich, da es eben noch erschreckender wirkt

Der Schakal ist retro geworden. Und ziemlich analog. Ermittler Claude Lebel verlässt sich schon mal auf das Wählscheibentelefon, um anhand des Rücklaufs der Scheibe die Nummer herauszufinden. Das alles ist wie ein alter Bond. Aber es ist noch mehr.

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Ein bisschen Ove

Wenn Oves Blick mal wieder verschränkt ist, wenn er verbohrt ist, hilft ihm und uns der Erzähler gern auf die Sprünge.

Die Beckmesser sind überall. Sie spähen Nachbarn aus, schreiben Listen und rufen die Polizei, wenn es mal wieder zu laut wird. Fredrik Backman kennt solche Typen auch – und hat einen von ihnen ganz besonders in den Blick genommen.  Er hat über Ove gebloggt und daraus seinen Debut-Roman gebastelt. Ein Mann namnes Ove ist zwar keine Offenbarung, aber durchaus lesenswert.

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