Liebe ohne Ende

Die Seuche lässt sich vielleicht bekämpfen, die Liebe nicht.

Amor hat Florentino Ariza mitten ins Herz getroffen. Und die entfachte Liebe ist nicht flüchtig, sie währt ein ganzes Leben lang. Die Liebe in den Zeiten der Cholera von Gabriel José García Márquez ist eine der schönsten Liebesgeschichten, die es in der Literatur gibt. Und mir gefällt, dass der Roman phantastisch endet.

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Alle geprellt

Von vorne bis hinten ziemlich viel Lüge. Michael Seufert arbeitet einen der größten Presse-Skandale des zwanzigsten Jahrhunderts auf. In seinem Buch bietet er als ehemaliger Stern-Redakteur eine Innenschau.

Wenn sich die Begeisterung für den Journalistenberuf mit Geldgier part, kann das im Ergebnis zum Problem werden. Erst recht, wenn dann noch ein Nazitick dazukommt, der suchtähnliche Drang nach allem fassbaren, was mit dem Dritten Reich in Verbindung gebracht werden kann. In diesem Fall etwa der Besitz einer Yacht von Göring oder – nicht ganz so teuer – sein Marshallstab. Dann gab es die anheizende Mär, Martin Bormann lebe noch. Oben drauf den Druck, auch wirklich Texte und Fotos abliefern zu müssen, um den Ruf als Spürnase zu wahren. So wie früher, als es darum ging, wer B. Traven wirklich war. Das Ergebnis aus diesem gefährlichen Gemisch war die „Entdeckung der Hitler-Tagebücher“.

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Antike Erfahrung

Der Goethe-Klassiker funktioniert noch – mit ein bisschen Übung. Oder man lässt ihn sich einfach von Gert Westphal vorlesen.

Hermann und Dorothea ist für Johann Wolfgang Goethe 1797 der dringend notwendige Erfolg. Wilhelm Meister empfanden manche als langweilig (Charlotte Stein zum Beispiel), außerdem will der Geheimrat das Geld mehren – obwohl er als Beamter schon über ein gutes Einkommen verfügt. Vielleicht hat Goethe aber schon das Landgut Oberroßla im Blick, auf dem er mit Christiane Vulpius leben will – durchaus möglich. Seinem Verleger Vieweg reicht er einen Umschlag, in dem die leicht ungehörige Honorarfordung von tausend Talern in Gold steckt. Und der greift tatsächlich zu – und der Versgesang wird das bis dato populärste Stück Goethes nach Die Leiden des jungen Werther.

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In letzter Konsequenz

Leben unter der Dunstglocke. Kann das funktionieren? Boyle hat einen lustigen, in letzter Konsequenz aber auch sehr tragischen Roman geschrieben.

Frag mich doch mal nach der besten Mediensatire der vergangenen – sagen wir – fünf Jahre. Na? Da habe ich eine ganz klare Antwort: Die Terranauten von T.C. Boyle. Du kannst Menschen isolieren und das als Show verkaufen: Big Brother hat das auf erbärmliche Weise versucht und versucht das wohl noch immer, das Dschungelcamp scheitert glücklicherweise an Corona, wird aber sicherlich irgendwann mal fortgesetzt. Jetzt stelle man sich vor, die Show bekommt einen scheinbar wissenschaftlichen Hintergrund, nicht psychologisierend, was man machen könnte, dafür aber als Art naturwissenschaftliches Exempel.

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Raus aus dem Schlamassel

Sich selbst aus dem Sumpf ziehen. Schön, wer das kann.

Sich am eigenen Schopf aus dem Schlamassel ziehen, raus aus dem trüben Teich, weg vom Sumpf. Das dürfte ein vielfach herbeigeflehter Wunsch sein. Mit Wünschen aber ist das bekanntlich so eine Sache: Sie gehen nicht mit hundertprozentiger Sicherheit in Erfüllung. Und wenn man es unbedingt wünscht (vielleicht aus der Erzählperspektive des eigenen Lebens) legen manche sich die Wahrheit zurecht. Kurzum: Es wird gelogen, dass sich die berühmten Balken biegen. Wobei der gute alte Münchhausen viel kreativer war als so manch platter Politiker heute – und da muss ich nicht einmal über den Teich blicken.

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Die Trutzburg der Bekloppten

Für den freien Journalisten Jan Brock spitzt sich die Angelegenheit auf Burg Zornfried immer mehr zu. Irgendwann hilft ihm nur noch die Flucht – doch wohin?

Satire ist heilsam. Leider aber werden diejenigen, die auf neue oder alte Nazis hereinfallen, diesen Roman kaum lesen. Oder sie werden glauben: Das bin ich nicht, das kann mir nicht geschehen. Um der Erkenntnis willen ist Zornfried von Jörg-Uwe Albig aber unbedingt lesenswert. Nicht nur für Journalisten.

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Nur noch das Nötigste reden

Ein persönliches Interview, eine Beziehungsgeschichte zwischen Sohn und Mutter, aber auch ein Geschichtsbuch – Ich habe Uhren gibt es nicht mehr sehr gerne gelesen.

Sie will nur noch das Nötigste reden. Das Schweigen, so sagt sie, bringe für gewöhnlich einen höheren Genuss. Über einhundert Jahre ist Elisabeth Heller alt, als sie ihrem Sohn André ein langes Interview gibt und somit doch nicht schweigt. Zum Glück. Das daraus entstandene Buch sollten junge und jüngere und Junggebliebene unbedingt lesen, alle anderen auch. Uhren gibt es nicht mehr von André Heller ist voller Weisheit und Geschichte.

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Die Chiffre der Wendezeit

Wie kann ein aufrechter Büchermensch zum Nazi werden? Diese Frage beschftigt Ingo Schulze in seinem neuen Roman, der auch als Hörbuch empfehlenswert ist.

Auf einen solchen Roman habe ich lange gewartet: Die rechtschaffenen Mörder von Ingo Schulze ist die Chiffre der Wendezeit. Gehört hatte ich den neuen Schulze bei „Am Morgen vorgelesen“ im NDR, die Lesung von Sylvester Groth und Victoria Trauttmannsdorf habe ich mir dann noch einmal „in Ruhe“ gegönnt. Klasse.

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Die Idee eines Gauklers

Tyll hält die Geschichte zusammen. Doch der Namensgeber ist nicht das wichtigste Element des Buchs, das ist der Krieg in all seiner Grausamkeit. Und der ist überall. Draußen und in den Menschen.

Was sind schon 200 Jahre? Die Idee eines Gauklers kennt keine Zeit. Sie betrachtet die Schrecken des Krieges und der Finsternis. Immer. Es hat diese Schrecken im 14. Jahrhundert gegeben, als Tyll erstmals auftrat, erst recht im Dreißgjährigen Krieg. Daniel Kehlmann hat dazu einen Roman geschrieben, der sich mit der schonungslosen Wahrheit auseinandersetzt.

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Sockel oder doch nicht?

Frank Arnold macht das neue Goethe-Buch von Safranski auch in der Hör-Ausgabe zum Genuss. Unbedingte Empfehlung!

Herder hockte auf dem Sockel. Ganz klar – für mich war er fast so etwas wie ein Nationalheiliger, wobei hinzukommt, dass eine Schule in meiner Heimatstadt nach ihm benannt wurde. Nachdem ich aber Goethe – Kunstwerk des Lebens von Rüdiger Safranski gehört und gelesen hatte, war klar: Auch Johann Gottfried Herder (1744 bis 1803) war nur ein Mensch, und zwar nicht nur ein angenehmer. Er konnte kaum zeigen, dass der wenig Jüngere etwas gut gemacht hatte, konnte nicht loben, hatte diesen Skeptizismus, den ich im Umgang mit Freunden für übertrieben halte, oder für eine unangemessene Prüfung.

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