Alle geprellt

Von vorne bis hinten ziemlich viel Lüge. Michael Seufert arbeitet einen der größten Presse-Skandale des zwanzigsten Jahrhunderts auf. In seinem Buch bietet er als ehemaliger Stern-Redakteur eine Innenschau.

Wenn sich die Begeisterung für den Journalistenberuf mit Geldgier part, kann das im Ergebnis zum Problem werden. Erst recht, wenn dann noch ein Nazitick dazukommt, der suchtähnliche Drang nach allem fassbaren, was mit dem Dritten Reich in Verbindung gebracht werden kann. In diesem Fall etwa der Besitz einer Yacht von Göring oder – nicht ganz so teuer – sein Marshallstab. Dann gab es die anheizende Mär, Martin Bormann lebe noch. Oben drauf den Druck, auch wirklich Texte und Fotos abliefern zu müssen, um den Ruf als Spürnase zu wahren. So wie früher, als es darum ging, wer B. Traven wirklich war. Das Ergebnis aus diesem gefährlichen Gemisch war die „Entdeckung der Hitler-Tagebücher“.

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Die Trutzburg der Bekloppten

Für den freien Journalisten Jan Brock spitzt sich die Angelegenheit auf Burg Zornfried immer mehr zu. Irgendwann hilft ihm nur noch die Flucht – doch wohin?

Satire ist heilsam. Leider aber werden diejenigen, die auf neue oder alte Nazis hereinfallen, diesen Roman kaum lesen. Oder sie werden glauben: Das bin ich nicht, das kann mir nicht geschehen. Um der Erkenntnis willen ist Zornfried von Jörg-Uwe Albig aber unbedingt lesenswert. Nicht nur für Journalisten.

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Die Chiffre der Wendezeit

Wie kann ein aufrechter Büchermensch zum Nazi werden? Diese Frage beschftigt Ingo Schulze in seinem neuen Roman, der auch als Hörbuch empfehlenswert ist.

Auf einen solchen Roman habe ich lange gewartet: Die rechtschaffenen Mörder von Ingo Schulze ist die Chiffre der Wendezeit. Gehört hatte ich den neuen Schulze bei „Am Morgen vorgelesen“ im NDR, die Lesung von Sylvester Groth und Victoria Trauttmannsdorf habe ich mir dann noch einmal „in Ruhe“ gegönnt. Klasse.

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Haus der Bösen

Besonders erhellend finde ich bei der Darstellung des Teilnehmerkreises die wiedergegeben Reaktionen nach dem Krieg.

Zuweilen kommt das Böse banal daher. „Eine Besprechung mit anschließendem Frühstück“ war in der ersten Einladung angekündigt. Dann wurde es die „Wannseekonferenz“, die  die bereits begonnene „Entfernung der Juden“ auf perfide Weise legitimieren sollte. Peter Longerich zeigt in seinem Buch Wannseekonferenz, Der Weg zur „Endlösung“ die Hintergründe zu der am Wannsee geplanten  „Endlösung“.  Und er zeigt, dass die Wirklichkeit schlimmer ist als jede Romanhandlung.

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